Kundalini Yoga Galerie Schule Münster - Werte Yoga

 

Werte und Yoga

Werte Yoga ist kein expliziter Teil des Kundalini Yoga, wie es von Yogi Bhajan gelehrt wurde, aber doch indirekt in seiner Lehre enthalten und geht auch darüber hinaus. Es ist uns eine Herzenssache, diesen Aspekt der usprünglichen Yogaphilosophie nach Patanjali in der modernen und alltäglichen Anwendung vorzustellen, da Yoga einen ganzheitlichen Ansatz beinhaltet, der über Körperübungen weit hinausgeht.

Ein ethisches Leben ist das Fundament, um spirituelles Wachstum zu erlangen. Dieses ethische Leben basiert auf der Unterscheidung zwischen Wahrheit und Falschheit. (Sathya Sai Baba, einer der größten und bekanntesten Yogis des 20. Jahrhunderts in Indien in seiner Schrift Prema Vahini – Strom der Liebe)

Wenn Du menschliche Werte lebst, stärkst Du zugleich Deine Lebenskräfte (Prana). Deshalb kannst Du im Werte Yoga ein vertieftes Verständnis für die menschliche Werte entwickeln und lernen sie bewusst im Alltag anzuwenden. Das ist Yama, ein Glied des Raj Yoga – des „königlichen Yoga“.

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Werte und Raj Yoga

Kundalini Yoga ist ein Raj Yoga, über das Yogi Bhajan sagte:

Es ist die königliche Herrschaft und Beherrschung yogischer Tugenden und Werte.

Unter Raj Yoga (das „königliche Yoga“) wird ein System verstanden, das der indische Philosoph Patanjali (zwischen dem 2. und 6. Jahrhundert vor Christi) in den Lehrsprüchen der Yogasutras ausgearbeitet hat. Diese umfassen acht Glieder, die sämtliche Aspekte von Körper und Geist entwickeln:

  1. Samadhi: Erwachen und Versenken in die Geistseele;
  2. Dhyana: tiefe Meditation;
  3. Dharana: auf einen Punkt ausgerichtete Konzentration;
  4. Pratyahar: Zurückziehen der Sinne von der gegenständlichen Welt;
  5. Pranayama: Regulation des Atems und damit Kontrolle von Lebenskraft (prana);
  6. Asana: Körperhaltungen für Gesundheit und Meditation;
  7. Niyama: innere geistige Disziplin durch
    – Reinheit (shauca),
    – Zufriedenheit (santosha),
    – Ausrichtung auf das spirituelle Ziel (tapas),
    – das Studium der heiligen Schriften (svadhyaya) und
    – die Hingabe an Gott (ishvara pranidhana);
  8. Yama: sittliche äußere Lebensführung durch die Beherrschung der Werte
    – Gewaltlosigkeit (ahimsa): Mitgefühl, Geduld, Liebe für andere, Selbstliebe, Selbstwert und Verständnis;
    – Wahrhaftigkeit (satya): Ehrlichkiet, Vergebung, Nichtbeurteilung, Eingeständnis von Gefühlen, liebevolle Kommunikation;
    – Nichtstehlen (asteya): rechtes Verwenden von Ressourcen, Loslassen von Eifersucht, Selbstgenügsamkeit;
    – Sinneskontrolle/Enthaltsamkeit (brahmacharya): Kanalsieren von Emotionen, Mäßigung;
    – Nichtbesitzgier (aparigraha): Erfüllung der Bedürfnisse statt der Wünsche.

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Werte und Meditation

Wenn der Geist zur Ruhe kommt und die Sinne beherrscht werden, kann Meditation geschehen. Auch dafür sind nach den Yogasutras Werte förderlich:

Indem man Güte, Mitgefühl, innere Freude, Gleichmut gegenüber Glück und Leid, Verdienst und Schuld pflegt, erlangt man die ruhige Reinheit des Geistes. (Yogasutras des Patanjali, 1.33 )


Werte und Prana

Die direkte Wirkung der Werte auf die Lebenskraft und ihre fünf Ausprägungen hat Sathya Sai Baba (1926 bis 2011) erklärt, wobei er den Tugenden allerdings eine andere Systematik gab:

Die fünf menschlichen Werte Wahrheit (satya), Rechtes Handeln (dharma), Frieden (shānti), Liebe (prema) und Gewaltlosigkeit (ahimsā) können mit den fünf Lebenskräften (prāna) des Menschen verglichen werden, als da sind Prana, Apāna, Vyāna, Udāna und Samāna. Jener ist ein wahrer Mensch, der die fünf Menschlichen Werte praktiziert.

Der Mensch ist mit den Pancaprānāsh (fünf Lebenshauchen, Lebensprinzipien) ausgestattet, nämlich Prana, Apāna, Vyāna, Udāna und Samāna. Sie sind die im Menschen gegenwärtigen göttlichen Kräfte. Die menschlichen Werte Wahrheit (satya), Rechtes Handeln (dharma), Frieden (shānti), Liebe (prema) und Gewaltlosigkeit (ahimsā) sind nichts anderes als die Manifestationen dieser fünf Lebensprinzipien. (Sathya Sai Baba, Die Menschlichen Werte – Sathya Sai Educare)

Im Zentrum der universellen menschlichen Werte nach Sathya Sai Baba steht die Liebe:

  • Frieden ist Liebe im Fühlen.
  • Wahrheit ist Liebe im Sprechen.
  • Rechtes Handeln ist Liebe im Tun.
  • Gewaltlosigkeit ist Liebe im Verstehen.

Die Ausprägungen der Lebenskraft (Prana) haben nach Yogi Bhajan körperliche und geistige Funktionen:

  • prana (kleines p): sammelt innere Energie an, fördert den Atemfluss und einen positiven Geist;
  • Apāna ist die ausscheidende Kraft des Körpers, es gibt ein Gefühl der Sicherheit und hilft, einen Fuß vor den anderen zu setzen;
  • Vyāna steuert das Zusammenspiel des Bewegungsapparates; gibt das Gefühl, dass alles miteinander verbunden ist;
  • Udāna befördert Luft nach oben und hinaus; hängt mit Projektion zusammen; Vorstellungskrfat und Wirkung von Worten;
  • Samāna lenkt Stoffwechselaktivitäten, gibt Unterscheidungsfähigkeit und emotionale Klarheit.

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Werte und die Elemente

Es gibt einen weiteren Zusammenhang: Das Praktizieren der Werte wirkt auf die Elemente, die auch durch Yogaübungen ausgeglichen werden. So ist jedem menschlichen Wert ein bestimmtes Element zugeordnet:

  • Rechtschaffenheit – Erde
  • Frieden – Wasser
  • Wahrheit – Feuer
  • Liebe – Luft
  • Gewaltlosigkeit – Äther

 

Werte im Alltag leben

Die Grundlage einer harmonischen und ausgewogenen Entwicklung der Einheit von Körper, Geist und Seele ist ein klares Verständnis vom Sinn des Lebens und wie ein solches Leben geführt werden kann. Das Praktizieren der universellen menschlichen Werte fördert diesen Prozess, der durch spirituelle Übungen wie im Yoga initiiert und verstärkt wird, indem sie das Bewusstsein erweitern und erhöhen. Ein von menschlichen Werten geprägtes Leben fördert wiederum Deine Kapazität zur Meditation, weil dies eine wesentliche Hilfe ist, Deinen Geist zur Ruhezu bringen.
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